EINLEITUNG
Bei der Darstellung des « ewigen Lebens » im Evangelium und ersten Briefe des hl. Johannes werden wir dem inspirierten Autor selbst folgen, der vor uns das genannte Leben nach seinem geschichtlichen Verlaufe entwickelt. Er spricht zuerst vom Quell des ewigen Lebens - vom Logos, der zweiten Person Gottes, welcher es von seinem Vater von Ewigkeit her empfangen und durch die Menschwerdung das ihm eigene Leben den Menschen mitgeteilt hat. Es ist unwichtig, wenn von Schrenck [1] diese Darstellungsweise als ungeeignet bezeichnet. « Man ... ist bei der Darstellung des johanneischen Lehrbegriffes oder der johanneischen Auffassung des ewigen Lebens von oben ausgegangen, hat das Leben, das in Gott und dem Sohne Gottes ist, besprochen und erst von da aus das auf die Gläubigen ausströmende Leben behandelt ... Allein schon die bloße Tatsache, dass Johannes ebenso selten vom dem Gott eignenden Leben redet, als er das dem Gläubigen zukommende häufig berührt, hätte davon abhalten sollen... Mithin geht auch seine Theologie nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben». Dagegen erwidern wir gleich, daß die Aussprüche vom inneren Leben des Vaters und des Gottessohnes Christi verhältnismäßig zahlreich sind. Der Schluß, zu dem Schrenck kommt, daß die johanneische Theologie von unten nach oben geht, stützt sich wenigstens nicht auf die Johannesschriften und ist nur eine willkürliche Umdrehung des Gedankenganges im Evangelium und des ersten Briefes.
Deshalb bleiben wir bei der dramatischen Schilderung des Lebens bei Johannes, indem wir zuerst vom Urheber des Lebens und dann von der Mitteilung und der Aneignungsweise desselben reden. Im letzten Teile versuchen wir, das« ewige Leben» näher zu bestimmen. Der ganzen Untersuchung schicken wir einige Worte über die Stellung des erwähnten Begriff es im Evangelium und ersten Briefe und über derzeitige Lebensauffassungen voraus.

