II. DIE RICHTLINIEN DER GRIECHISCH-PATRISTISCHEN DREIFALTIGKEITSLEHRE
I. Überblick über das System [36]
Zum Verständnis und zur Beurteilung der photianischen Trinitätslehre und im besonderen seiner einzelnen Vorwürfe gegen das Filioque ist ein Blick auf die Theologie der Dreifaltigkeit in den früheren Jahrhunderten von großer Tragweite. Nur dann erst läßt sich die Auffassung des Photios einigermaßen erklären und sein Verschulden beurteilen. Ohne genauere Kenntnis der Tradition ist die Verbreitung der dogmatischen Revolte des byzantinischen Patriarchen nicht begreiflich.
Obwohl der Glaube an den dreieinigen Gott sowohl im Orient als im Okzident derselbe war, bestand doch in der spekulativen Auffassung des Geheimnisses ein bedeutender Unterschied. Der Grund dafür liegt schon in der Philosophie selbst, und zwar im analytischen und synthetischen Verfahren. Man kann in der Erklärung der Trinität von dem Begriff der Person ausgehen, wie es den Griechen eigen war, und das gemeinsame göttliche Wesen als Eigentum des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes und in ihnen bestehend betrachten oder, um den scholastischen Terminus zu gebrauchen, die Person in recto, die Natur in obliquo sehen. Den umgekehrten Weg sind die Lateiner gegangen. Ihre Aufmerksamkeit richtete sich zuerst auf die gemeinsame Substanz, als die Wurzel aller göttlichen Vollkommenheiten, die im Vater ohne Mitteilung von einem anderen, im Sohn durch Zeugung, im Hl. Geiste durch die spiratio mitgeteilt, existiert. Beide Wege sind gleich berechtigt und erlaubt, da in Gott das Wesen und die Hypostase unzertrennlich verbunden sind.
Mögen auch die griechische und die lateinische Betrachtungsweisen auf der philosophischen Spekulation beruhen, so sind sie doch unter dem Einflusse der entstehenden Häresien ausgebildet worden. Der Glaube an einen Gott, die von den Juden überlieferte Lehre, wurde von allen Christen festgehalten. Der Schwerpunkt der göttlichen Offenbarung hat sich im N. T. auf die Dreipersönlichkeit Gottes verschoben. Es tauchten gleich im 2. Jht. Irrlehren dagegen auf. Modalismus, Monarchianismus und Sabellianismus griffen das Dogma an. Es war den Verteidigern wie von selbst gegeben, die Dreiheit der Hypostasen stark hervorzuheben und sie scharf voneinander zu trennen. Der Beweis dafür war leicht erbracht. Die Theophanien der hl. Schrift [37] und die Doxologien, Taufsymbol und Taufformel, enthielten die Verschiedenheit der drei göttlichen Personen deutlich. Dieser Standpunkt, mit dem Gedanken zuerst den Vater zu erfassen, dann den Sohn und den Hl. Geist, und die gemeinsame Natur in jeder einzelnen der drei Personen wiederzufinden, mußte unwillkürlich im Kampf mit den Feinden der Mehrheit der Personen in Gott zur Geltung kommen.
Aber bevor noch die alten Gegner zum vollkommenen Stillschweigen gebracht wurden, meldeten sich neue auf demselben Schauplatz zum Kampfe an. Sie richteten ihre Waffen gegen die Natur der drei Hypostasen, indem sie zwar die Dreiheit der Hypostasen zugaben, aber die zweite als Kreatur der ersten und die dritte als Geschöpf der zweiten erklärten.
Die Apologeten mußten ihre Energie in derselben Richtung lenken, aber die früher eingenommene Stellung blieb unverändert. Ein graphisches Bild der drei in gerader Linie verlaufenden Striche stellt die orientalische Auffassung dar:
Πρ Υἱ Πν
Die ganze dialektische Gewandheit der Väter bestand eben darin, das arianische Schema, das auch durch drei Linien, die aber in einer niedersinkenden Reihe folgen, [38] veranschaulicht werden kann, gerade zu machen und den Sohn und den Hl. Geist auf die Höhe des Vaters emporzuheben. Daher der Ausdruck beim hl. Basilius, man soll den HL Geist nicht ὑπαριθμεῖσθαι, sondern συναριθμεῖσθαι. [39] Zur Bestätigung des Gesagten mögen einige Stellen aus den Werken der Kirchenväter dienen.
«Der HL Geist wird mit Vater und Sohn geehrt und zur Zeit der hl. Taufe in die hl. Dreiheit zugleich mit einbegriffen. Denn der eigeborene Sohn Gottes sprach deutlich zu den Aposteln: Gehet... und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes (Mt. 28, 19). Unsere Hoffnung ist auf den Vater, den Sohn und den HL Geist. Nicht drei Götter verkünden wir; denn die Marcioniten sollen schweigen; sondern wir verkünden mit dem Hl. Geiste durch einen Sohn einen Gott. Ungeteilt ist der Glaube, ungeteilt die Frömmigkeit. Weder trennen wir, wie Einige (Arianer), die hl. Dreifaltigkeit, noch machen wir, wie Sabellius, eine Vermischung: sondern wir anerkennen mit frommem Sinn einen Vater, der uns als Erlöser den Sohn gesandt hat. Wir anerkennen einen Sohn, der versprochen hat, vom Vater den Tröster zu senden. Wir anerkennen den Hl. Geist, der durch die Propheten geredet und am Pfingstfeste auf die Apostel... herabgekommen ist» (Cyrill v. Jer. Cat. 16, 4). [40]
Wenn man also den Entwicklungsgang nach der griechischen Darstellungsweise verfolgt, so würde er sich folgendermaßen gestalten: Es gibt drei Personen in Gott, Vater, Sohn und Hl. Geist. Εἷς θεὸς Πατήρ λόγου... εἷς Κύριος, μόνος ἐκ μόνου,... ἓν Πνεῦμα ἅγιον... So heißt es in der ἔκθησις τῆς πίστεως des hl. Gregor Thaumaturgos (+ 270). [41] So wurde es auch in dem Nicaenoconstantinopolitanischen Symbolum sanktioniert: Ich glaube an einen Gott Vater,... Sohn,... Hl. Geist… [42] Diesen Gesichtspunkt, von dem aus die konkrete Hypostase im Vordergrund steht, trifft man auf Schritt und Tritt in der griechischen Väterliteratur.
«Zähle besonders den Vater und besonders den Sohn» und «es ist eine Gottlosigkeit, die Lehre des Herrn nicht anzunehmen, der uns deutlich eine Person von der anderen unterscheidet». (Basil. Hom. c. Sab. 3). [43] «Man muß also bekennen, daß der Vater in eigener Person bestehe, in eigener Person der Sohn und in eigener Person der HL Geist» (Bas. ep. 125, I). [44]
Die drei Personen sind aber nur ein Gott, weil sie an demselben Wesen des Vaters teilnehmen. Auf welche Weise geschieht das in Gott?
Der Vater besitzt die göttliche Natur aus sich selbst, er hat sie von niemandem empfangen. Daher wird er allein κατ' ἐξοχήν, θεός, oft ὁ θεός oder αὐτόθεος oder noch emphatischer θεός ὁ πατὴρ ὁ έπὶ πάντων genannt. [45] Selbst zwar prinziplos, ist er Prinzip und Quelle der zwei anderen Personen. Von ihm allein geht ursprünglich der Impuls des Lebens aus: μόνος γάρ αἴτιος ὁ πατήρ. [46]
Denselben Gedanken drücken die Väter noch aus, indem sie von der αἰτία προκαταρκτική, αἰτία πρώτη, ἡ πηγή, ρὶζα καὶ πηγὴ, πηγὰια θεότης u. s. w., sprechen. [47] Die erste Person teilt nun aus natürlicher, ihr innewohnender Fruchtbarkeit, das göttliche Wesen durch die Zeugung dem Sohne mit. Wegen der höchsten Einfachheit und Unteilbarkeit muß die ganze Natur auf den Sohn übergehen, ohne daß der Vater sich ihrer entäußerte. [48] Der Unterschied besteht lediglich darin, daß der Vater die göttliche Substanz aus sich selbst besitzt und der Sohn sie von ihm empfangen hat. Aus dem Vater aber durch den Sohn erhält dasselbe göttliche Wesen der Hl. Geist. [49] Die Mitteilung an die dritte Person geschieht aber nicht zeugungsweise (υἱκῶς), sondern ist anderer, nicht näher bekannter Art. Der Hl. Geist ist die Vollendung der ganzen trinitarischen Entwicklung und bei ihm bleibt die Entfaltung stehen. [50] Die Homousie der göttlichen Personen ist eine notwendige Folge in dieser trinitarischen Betrachtung.
«Denn der Vater tut alles durch den Logos im Hl. Geiste; so wird die Einheit der hl. Dreifaltigkeit gewahrt, so wird in der Kirche ein Gott verkündet, der «über alles, durch alles und in allem» ist. «Über alles» nämlich der Vater, als Anfang und Quelle, «durch alles» der Logos, und «in allem» der hl. Geist» (Athan, Ser. i, 28). [51] « Die hl. Dreifaltigkeit vollzieht ihre ganze Tätigkeit nicht nach der Zahl der Hypostasen, sondern es erfolgt gewissermaßen eine einzige Bewegung und Anordnung des göttlichen Willens, welche aus dem Vater, durch den Sohn, zum Hl. Geiste fortgeführt wird...». Und etwas weiter: «Jedes gute Werk und Wort, abhängig von der ursprungslosen Macht, wird in der Kraft des Geistes von dem eingeborenen Gott ohne Zeit und Verzögerung zur Vollendung geführt, ohne daß irgend eine Zeitdauer in der Bewegung des göttlichen Ratschlusses vom Vater aus durch den Sohn zum Hl. Geiste stattfindet, oder gedacht werden kann » (Gregor v. Nyss. Quod non sint tres dii). [52]
Diese Beispiele waren notwendig, um später die Ansicht des Photios besser verstehen zu können. Die griechischen Väter stellen sich die Tätigkeit nach außen als gemeinsames Werk der göttlichen Natur vor, welche aber, was auch der Wirklichkeit entspricht, vom Vater durch den Sohn im Hl. Geiste besteht. In jeder einzelnen Person wird sie wiedergefunden und zusammengefaßt.
In der umgekehrten Richtung, aber in derselben Ordnung geht dann der Weg von dem Geschöpf zu Gott. Wenn der Hl. Geist in die Seele des Menschen einzieht, so bringt er mit sich den Sohn, und wenn der Sohn einkehrt, so kommt durch ihn der Vater.
Wenn jemand, der von einer Kette das äußerste Glied berührt, zugleich das andere äußere Glied anzieht, so hat, wer den Hl. Geist heranzog, wie der Prophet sagt, durch diesen zugleich den Sohn und den Vater herbeigezogen. (Bas. ep. 33, 4). [53] Wer den Geist nicht hat, der hat auch den Sohn nicht, und wer den Sohn nicht besitzt, der hat auch den Vater nicht (Didym. De Tin. 2, 19). [54]
Dieselbe rückgreifende Bewegung erscheint bei der Gotteserkenntnis. «Der Weg der Erkenntnis Gottes geht von dem einen Geiste durch den einen Sohn zum einen Vater», [55] Und der Grund dafür liegt in der Betrachtung des Hl. Geistes als Bild des Sohnes und des Sohnes als Bild des Vaters. [56] Durch die eine Person erkennt man die andere, in der sie abgebildet ist.
Es verdient noch ein Teil dieses Systems eine Erwähnung und das ist die Sendung des Hl. Geistes. Charakteristisch ist die enge Verbindung der Prozession und der Mission der dritten Person. Die griechischen Väter betrachteten den Hl. Geist als Bindeglied zwischen Gott und den Menschen: Er geht vom Vater aus und wird durch den Sohn den Aposteln mitgeteilt. Der ewige Ausgang endet in der zeitlichen Mission. Das ist die Vorstellung, der man oft beim hl. Athanasius, Basilius, Cyrill v. Alex. und Johannes Dam. begegnet. [57] Diese kosmologische Färbung des ewigen Ausganges hat eben dem byzantinischen Patriarchen die Gelegenheit geliefert, alle Zeugnisse der Hl. Schrift und Überlieferung vom Hervorgang des Hl. Geistes aus dem Sohne, auf die zeitliche Sendung zu beziehen.
2. Das griechische Schema und der Hervorgang des Hl. Geistes durch den Sohn
I. Aus der bisherigen Erörterung ergibt sich das griechische Diagramm deutlich genug. Unter verschiedenen Bildern kehrt es bei den Vätern wieder. Die drei Personen verhalten sich zueinander wie Wurzel, Stamm und Ast, — Licht, Strahl und Glanz, — Quelle, Strom und Wasser, — Pflanze, Blume und Duft (u. s. w). [58] «Der Sohn», so Didymus der Blinde, «wird Hand, Rechte und Arm des Vaters genannt... Und der Hl. Geist, der Finger Gottes, da die Natur desselben mit Vater und Sohn vereinigt ist... Wenn also der Finger mit der Hand verbunden ist, die Hand mit dem, dessen Eigentum sie ist, so gehört der Finger ohne Zweifel zur Substanz dessen, dem die Hand gehört», [59] Es ist immer dieselbe gerade Richtung einer sich ausdehnenden Linie mit der ganz genau fixierten Ordnung und dem Bcibehalten des organischen Zusammenhanges. Eine göttliche Person ist mit der anderen verbunden wie die Ringe einer goldenen Kette [60] oder wie die Farben des Regenbogens: der Sohn mit dem Vater und der Hl. Geist mit dem Sohne. [61]
II. Diese Anschauung stellt also klar den Sohn zwischen den Vater und den Hl. Geist. «Und wenn einer», so der hl. Basilius, «den Sohn wahrhaft erfaßt hat, so wird er ihn haben, wie er auf der einen Seite seinen Vater, auf der anderen seinen Geist mit sich bringt», [62] Da aber dieser innige Zusammenhang nur auf der Mitteilung derselben göttlichen Natur beruht, [63] ist auch durch dieses Schema die Auffassung der Prozessionen bei den griechischen Vätern nahegelegt. Die beiden Hervorgänge erscheinen als eine Weitergabe [64] des einen spezifisch und numerisch identischen göttlichen Wesens oder als eine Bewegung der Gottheit des Vaters von der Einheit zur Zweiheit, bis sie bei der Dreiheit stehen bleibt, wobei aber, wie Bessarion sagt, nur an eine gerade Linie gedacht werden kann. [65] In demselben Verhältnis steht der Sohn zum Vater, wie der Hl. Geist zum Sohne und alles, was der Vater hat, hat auch der Sohn und durch ihn der HL Geist. [66] Die zweite Person steht in der Mitte und weil es keine andere Richtung in der immanenten Entwicklung Gottes gibt als nur durch den Sohn, muß der Hl. Geist unbedingt durch seine Vermittlung das Wesen vom Vater empfangen. [67] Dieser Vorstellung gemäß hat sich vom Ausgange des HL Geistes die Formel gebildet: ἐκ πατρὸς διὰ τοῦ υἱοῦ. Der Sohn steht immer als causa medians in der Übermittlung der göttlichen Natur da [68] und kein Vater, behauptet Bekkos, hat gesagt, daß der HL Geist ἀμέσως von der ersten Person sei. [69]
Daß das διά τοῦ υἱοῦ sich wirklich auf die Mitteilung des innergöttlichen Lebens bezieht, hat auch neuestens K. Holl in Bezug auf den hl. Gregor v. Nyssa zugestanden und gegen Loofs nachgewiesen. [70] Nur der Mangel an Kenntnis des spekulativen Unterschiedes der beiden Trinitätsauffassugen läßt ihn darin «etwas sehr anderes als das abendländische Filioque» sehen. «Nach Gregor bilden der Vater und der Sohn nicht, um mit Augustinus zu reden, ein principium, sondern die eigentliche αἰτία des Geistes ist der πατήρ; die Vermittlung des Sohnes hat nur die Bedeutung, die Kraft des Vaters weiterzuleiten». [71] Die Ursache der Abweichung liegt in den verschiedenen Ausgangspunkten der beiden Beweisführungen. Weil Augustin von der Natur ausgeht, [72] welcher das Wirken zukommt, erscheinen beide, Vater und Sohn, in Ansehung der gemeinsamen Substanz als ein Prinzip. Dagegen fassen Gregor v, Nyssa und die griechischen Väter überhaupt zuerst die Person des Vaters ins Auge und betrachten die Prozessionen als die Mitteilung seines Wesens. Die Tätigkeit des Sohnes besteht und kann nur darin bestehen, die einzige göttliche Natur, die er vom Vater erhalten hat, an den HL Geist “weiterzuleiten”. Der Vater ist zwar eine αιτία, aber in der Bedeutung einer αἰτία προκαταρκτική. Régnon nennt deswegen den Sohn einen canal actif. [73] Jedenfalls muß dieser Ausdruck, um Mißverständnissen vorzubeugen, in einem uneigentlichen Sinne verstanden werden.
Übrigens drücken, schon in sich betrachtet, beide Formeln zwei verschiedene Auffassungen desselben Dogmas aus. Wenn man sagt, daß ein Werk von zwei Personen herstammt, so wird dadurch von der Ordnung, in der beide es vollziehen, nichts ausgesagt, sondern nur die Unmittelbarkeit der Ausübung festgestellt. Dagegen nennt die Behauptung τὶ ἐκ τοῦδε διὰ τοῦδε εἐναι, ausdrücklich die Ordnung, in der beide Mitarbeiter das Werk vollbringen. Dafür schweigt diese Sprachweise von der Gleichheit und Identität der wirkenden Kraft. [74]
Damit wäre nun die Identität des διὰ τοῦ υἱοῦ und des Filioque bewiesen.
III. Mit dieser Auffassung ist auch die Terminologie der Zeitwörter unzertrennlich verbunden. [75] Zur Bezeichnung des Ausganges des Hl. Geistes gebrauchten die griechischen Vater außer έχπορεύεσθαι, noch andere Verba, wie προιέναι, προέρχεσθαι, χορηγεῖσθαι, προχεῖσθας ἐκλάμπειν, ἀναβλύζειν u. s. w. Daß diese Termini auch das ätiologische Prinzip bezeichnen, darf man heute gegen alle Feinde des Filioque, die in ihnen bloß die zeitliche Sendung behauptet wissen wollen, festhalten. Das haben auf den mittelalterlichen Konzilien die unionsfreundlichen Griechen an der Hand der Vätertexte haarscharf bewiesen und mit ihnen stimmen sogar die neueren nichtkatholischen Theologen überein. [76] Ihr Gebrauch beruht auf der kosmologischen Färbung der griechischen Dreifaltigkeitsauffassung. Sie verbinden in sich die Mission und den Ausgang oder genauer, sie sollen durch die zeitliche Sendung die ewige Prozession zur Anschauung bringen und die erste auf die letzte zurückführen. [77] Und obwohl alle diese Verba auf den immanenten Hervorgang des Hl. Geistes sich beziehen können, begegnet uns doch die auffallende Tatsache, daß ἐκπορεύεσθαι in bezug auf das Hervorbringen des HL Geistes vom Sohne ἐκ τοῦ πατρὸς καὶ τοῦ υἱοῦ wie es im Lateinischen üblich war, nie vorkommt, sogar beim hl. Epiphanias und Cyrill v. Alex. nicht, die ausdrücklich παρ’ ἀμφοτέρων oder ἐξ ἀμφοῖν lehren.4 Im Gegenteil, die Griechen haben noch daran Ärgernis genommen und die Formel zurückgewiesen, wie wir uns aus den Schriften des Maximus Conf. und Johannes von Dam. zur Genüge überzeugen können. [79]
An dieser unleugbaren Tatsache hat sich der Patriarch Photios geradezu ergötzt: Τίζ εἰπε τῶν ἱερῶν καὶ πριωνύμων Πατέρων ἡμῶν τὸ Πνεῦμα τοῦ Υἱοῦ ἐκπορεύεσθαι. Es scheint aber, daß er selbst sich dessen bewußt war, es handle sich um das bloße Wort, indem er später hinzugefügt hat, nur κατὰ λέξιν sei nirgends gesagt worden τὸ Πνεῦμα ἐκπορεύεσθαι τοῦ Υἱοῦ. [80] Hätte jemand von den Verteidigern des Filioque gleich diesen Knoten gelöst, so hatte er dem Photios selbst und seinen hartnäckigen Epigonen die gefährlichsten Waffen, mit denen sie jahrhundertelang gefochten haben, entwunden.
Das Wort ἐκπορεύεσθαι wurde von den Vätern im passiven Sinn angewendet. Seltener kommt es als Aktiv um vor. [81] An sich bedeutet das Wort einen Hervorgang aus dem anderen als aus dem ersten Urgrund, ohne die Art und Weise näher zu bestimmen. [82] Bringt man das griechische Diagramm in Erinnerung, so wird man gleich einsehen, warum bei keinem griechischen Kirchenlehrer ἐκ τοῦ Υἱοῦ ἐκπορεύεται zu treffen ist. Das Beispiel legt es klar dar. Den Vater haben sich die Griechen als Wurzel, den Sohn als Stamm, den Hl. Geist als Ast bzw. Blume oder Frucht gedacht. Es ist schon an sich schwer zu sagen, die Blume werde aus der Wurzel und dem Stamm hervorgebracht, weil das Verhältnis beider zur Blume nicht dasselbe und gleiche ist. Genauer wird die vermittelnde Rolle des zweiten Gliedes mit der Partikel «durch» ausgedrückt. Bei der Verwendung des ἐκπορεὐεσθαι ist sogar die Nebeneinanderstellung der beiden Glieder unmöglich. Die Präposition ἐκ, welche einen Bestandteil des Verbums bildet, deutet auf das erste Prinzip in diesem organischen Zusammenhang hin und ἐκπορεύεται, ἐκ τοῦ πατρὸς καὶ τοῦ Υἱοῦ würde demnach dieselbe Stellung in der Ursächlichkeit dem Sohne zuteilen wie dem Vater und die vermittelnde Position der zweiten Person, wie es in den Bildern, die die Griechen vor Augen hatten, der Fall war, gar nicht angedeutet. Die Gleichstellung des Vaters und des Sohnes hat in dieser Auffassung zwei gleichartige Prinzipien zur Folge. Diesen naheliegenden Vorwurf hat Photios noch dadurch vorbereitet, daß er den Begriff der Personen als scharf voneinander getrennter Wesen in den Vordergrund stellte und die gemeinsame göttliche Wesenheit ganz in den Hintergrund schob. [83] Dazu hat er den Ausgang des Hl. Geistes vom Sohne, wo die Lateiner bei ihm sprechen, immer mit ἐκπορεύεσθαι wiedergegeben, [84] um den Widerspruch bei seinen Landsleuten noch greller hervortreten zu lassen.
Eher war diese Härte der griechischen Betrachtungsweise beim προἴέναι zu vermeiden. Bei diesem Zeitwort könnte man leichter von dieser strengen Ordnung absehen und πρόεισιν ἐκ πατρὸς καὶ υἱοῦ sagen. [85] Das Verbum hat einen weiteren Sinn als ἐκπορεύεσθαι. Deshalb mußte man, wollte man das letzte ins lateinische genau übersetzen, zum procedere das principaliter hinzufügen. [86] Denn procedere ist der allgemeine Ausdruck und bedeutet jede Art eines Hervorgehens. [87] Es hat keine Schwierigkeit gemacht, sowohl ex Patre per Filium procedit als auch ex Patre Filioque zu sagen.



