WORT AN DIE DEUTSCHEN PILGER-ARBEITER
1 maggio 1971
Проповіді, промови
XIII
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Geliebte in Christo!
Die Wallfahrt der Katholischen Arbeiterbewegung Deutschlands und des Werkvolkes fällt in eine besonders schöne Jahreszeit. Wir erleben jetzt in Rom den Fruhling der Natur. Zugleich aber auch einen übernatürlichen Frühling. Die Natur erwach allüberall zum Leben, alles ringsumher steht in Blute und verspricht voller Hoffnung Fruchte und Erfolge für unser Leben.
Zumal hier in Rom und in Italien werden die seltenen malerischen Landschaften und Horizonte sichtbar, die den Geist zu neuem, hoffnungsvollem Leben emporheben und erfreuen. Die Osterzeit ist aber auch vom ubernaturlichen Standpunkt aus gesehen ganz und gar eine geisterfüllte Zeit.Das Fest der Auferstehung Christi ruft alle, die traurig sind und die durch Kummer und Sorgen bedrückt sind, zu neuen Aufgaben und Freuden für Gott, die Kirche, den Nächsten und das Vaterland auf. Unsere Seele — die ganze Atmosphäre, in der wir leben — erhält im Lichte des auferstandenen Christus neuen Antrieb.
Das heutige Evangelium erzählt uns von dem erfolglosen Fischfang des heiligen Petrus und anderer Apostel, die mit ihm zusammen waren.«Die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen...». Eine verzweifelte Stimmung! Da wurde der Fluch sichtbar: « im Schweisse deines Angesichtes sollst du dein Brot verdienen...». Aber dann erscheint am Morgen der auferstandene Christus: nichts gefangen...? Wirf die Netze auf der rechten Seite aus! » Des Menschen Antwort: « In der Kraft deines Wortes werfe ich die Netze aus! » Und dann folgt ein solch reicher Fischfang! Der Fluch verschwindet durch den Segen Christi.
Nach der natürlichen, leiblichen Stärkung und Kräftigung schreitet Christus zur übernatürlichen Handlung:«Petrus, liebst Du mich mehr als die anderen...? » Der Herr will den Apostel zum Oberhaupte seiner Kirche, einer ganz und gar übernatürlichen Institution, machen. Jetzt handelt es sich nicht mehr nur um die reine physische Arbeit, sondern um eine neue, vergeistigte und erhabene Führung zur inneren Reife. Und wirklich: die physische Arbeit wandelt sich um zur geistigen Tat. Die Stimmung der Apostel ändert sich, weil nunmehr der Geist die körperliche Arbeit durchdringt und deren Antlitz verwandelt: « In deinem Namen werfe ich die Netze aus ». Schon vom natürlichen Standpunkte aus erhält die Arbeit ein neues Gesicht. Christus aber verlangt zugleich eine übernatürliche Liebe.
Es ist auffallend im ganzen Leben Christi und besonders in der Zeit nach seiner Auferstehung, wie sehr die Liebe sein ganzes Handeln antreibt und zur übernatürlichen, edlen Tat gestaltet. Der Herr ist zu uns aus reinster Liebe gekommen, um uns zu erlösen, um ein verlorenes, kleines Schäflein zu retten. Beachten Sie zuerst den Heiland, wie er nach seinem Leiden, dem Tod und der Auferstehung so liebevoll die Frauen, die mit Salben und Myrrhe zum Grabe kommen, dann die Apostel, die Jünger, den Lukas und Cleophas behandelt. Nach der Auerstehung zeigt Christus auch dadurch besondere Zartheit im Umgang mit den Menschen, dass er bei seinem Erscheinen auch nicht die kleinste Dissonanz, Misstimmung, aufkommen lassen will: er erscheint nur den Menschen, die ihn wahrhaft lieben; nicht aber etwa Pilatus, Herodes oder dem Hohen Rat, um diese etwa durch sein Erscheinen völlig zu zerschmettern. Deshalb dürfen nur seine Apostel und Jünger ihn erblicken. Schauen Sie auf den heiligen Joseph von Arimathäa, wie hier jede Handlung von Liebe gepräft wird und wie sein Antlitz von Adel überströmt wird. Das sind eben keine blossen physischen Leistungen, die auch eine Maschine vollbringen könnte! Nein, es sind durchaus übernatürliche Taten! Denken Sie schliesslich an eine liebende Mutter, die ihr krankes Kind voll Mitgefühl pflegt. Bedenken Sie jetzt auch, warum alle Werke des Menschen aus Liebe zu Gott, der Kirche, dem Nächstern und dem Vaterland vollbracht werden müssen. Gerade dies aber erkennt man in der vergangenen und gegenwärtigen Tätigkeit der katholischen Arbeiterbewegung Deutschlands: sie erhält hier und heute am Grab des heiligen Petrus eine besondere Weihe. Erstens ist diese gemeinsame Opferfeier hier ein öffentliches Bekenntnis des Glaubens an Christus, an seinen Stellvertreter Petrus und dessen Nachfolger. Dadurch wird auch Ihre Arbeit zum Apostolat erhöht. Ihre physische Arbeit, die Sie das ganze Leben hindurch ausüben, erhält so eine göttliche, auf die Ewigkeit bezogene Sendung. Zweitens ist Ihre Bewegung auf die Verwirklichung der gerechten sozialen Ordnung unter dem Gesichtspunkt unseres katholischen Glaubens ausgerichtet. Dadurch wird Ihre Pilgerschaft zu einer Demonstration Ihre katholischen Glaubens und Lebens, zu einem echten Bekenntnis. Im Namen Deutschlands anerkennen Sie die oberste Gewalt des Papstes und die Einheit der Kirche. Sie bekennen diese Wahrheit nicht nur durch Worte, sondern auch durch die Tat, denn Ihre Überzeugung ist in ihrer Arbeit verkörpert und Wirklichkeit geworden.Doc auser, die Auevalien, die Ted die zaire el dasteausen die gewaltigen Kraft der Deutschen, die vom Glauben beseelt ist. Es ist wirklich ein Wunder, dass die Deutschen sich so schnell aus den Trümmern des Krieges emporgearbeitet und ihr Land zu einerso hohen Blüte gebracht haben, dass sie den übertriebenen politischen Nationalismus wie auch den wirtschaftlichen Egoismus überwunden haben. Dies wird ganz offensichtlich, wenn man das Deutschland aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg mit dem von 1970 vergleicht. Es schaut jetzt so imposant, so kraftvoll aus. Dies gereicht in der Tat zum Lob und Ruhmder deutschen Arbeiterschaft. Möge das katholische Gewissen Ihre zukünftige Tätigkeit weiterhin lenken und vervollkommen, möge zugleich aber die Liebe Christi unsere katholische Kirche in Deutschland neu begründen und in der Treue zum Heiligen Vater wachsen lassen! Mögen Sie selber mit allen Kräften für die religiöse Einheit des deutschen Volkes in der einen Kirche Christi wirken!
Als Grosserzbischof der Ukrainer, von denen Sie ja viele — insbesondere die ukrainische christliche Arbeiterbewegung — in ihrer Mitte aufgenommen haben, möchte ich Sie ganz besonders herzlich hier in St. Peter begrüssen und Ihnen danken.
Ihre Solidarität mit den Ukrainern, die vor 30 Jahren ihre Heimat verlassen mussten, entspricht ganz der Haltung des « alter Christus », des Christus, der aus Solidarität mit uns Mensch geworden ist — bis hin zum Tode am Kreuze.
Mit grosser Freude habe ich vernommen, dass Sie durch einen Bausteinverkauf mithelfen. in Essen ein Ukrainer-Zentrum zu bauen, das gerade eine Hilfe für die Beschwerden des Alters, der Heimatlosigkeit und der Sprachverständigung sein will.
Elend bedeutet in des Wortes ursprünglichem Sinn Heimatlosigkeit.
So bitter wurde dieses Wort « Elend », das es zum allgemeinen Ausdruck für Leid und Not geworden ist. Durch Ihre grossherzige Bausteinaktion helfen Sie, diese Not, dieses Elend, spürbar zu lindern. In dem geplanten Zentrum sollen die Menschen auch darauf vorbereitet werden, die verlorene Position der ukrainischen Kirche, die mit der römischen Kirche vereint ist, in der Welt von heute zurückzugewinnen.So möchte ich Ihnen allen – auch im Namen meiner ukrainischen Landsleute — von Herzen Dank sagen, da Sie das Wort in die Tat umsetzen:« Einer trage des anderen Last, so erfüllt Ihr das Gebot Christi ».
Möge nun der auferstandene Christus durch die Fürbitte des Apostelfürsten Petrus, über dessen Grab wir das heilige Opfer feiern, der deutschen katholischen Arbeiterbewegung neue Kräfte einflössen und im gegenwärtigen hundersten Jubiläumsjahr die drei bestehenden Verbände zu einem einzigen zusammenführen, um Ihnen ein noch grösseres Arbeitsfeld nicht nur in Deutschland, sondern für die ganze Menschheit zu erschliessen. Amen.



